An van Dienderen

Jahr: 2015

Länge: 12:00 Min.

Format: 16:9

Spezifikationen: Farbe, Ton, Einkanalvideo

Courtesy: Argos Centre for Art and Media, Brüssel

 

Welche Farben hat ein Film? Oder, wie der aus dem Off plaudernde, fiktive CEO von Kodak zu Beginn leicht aufgekratzt fragt: »Who is Lili?«

Schon zu Anfang von An van. Dienderens LILI wird der titelgebende Name in eine suggestive Nähe gerückt zu einem Verfahren, das sich über Jahrzehnte im Dunkel der individuellen Studiosituation abspielte. Um eine einheitliche Farbqualität sicherzustellen, wurde vor der regulären Produktion zur Einmessung der Kamera ein mit einer Farbtafel ausgestattetes ›China Girl‹ vor die Linse gesetzt – eine Anspielung darauf, dass ein Hautteint gefragt war, der ebenmäßig und vor allem weiß zu sein hatte wie chinesisches Porzellan.

Davon ausgehend wird, vorangetrieben von einem Kamerastil, der mit dem Duktus des Dokumentarischen spielt – verwackelte Einstellungen, hastige Zoombewegungen, Unschärfe –, nach und nach eingeführt in eine Studiosituation, in der solch ein ›China Girl‹ seinem Arbeitsalltag nachgeht: ganz Klischee – weiß, blond, blauäugig – sitzt, lächelt, posiert es für die Kamera, führt dann wieder schlichte Hilfstätigkeiten aus.

Suggeriert der Kommentar, es handele sich um jene Lili und ist es doch eine Schauspielerin, die besagtes Stereotyp verkörpert, wird durch diese Inszenierung des Authentischen nachvollzogen, dass ebenso das, was später im filmischen Resultat als natürlich erschien, zuallererst produziert werden musste. Nicht zuletzt brachte das beschriebene Verfahren einen schwerwiegenden Ausschluss mit sich. Die Praxis, einen weißen Hauttyp als Referenzpunkt zu setzen, hatte zur Folge, dass andere Hauttypen nur noch farblich verzerrt erschienen. So wird deutlich, wie mittels einer dem Film vorausgehenden Praxis Normativität erzeugt wird und in das vorgeblich Objektive technischer Darstellung das Ideologische sich ungesehen einprägt. (Sebastian Hammerschmidt)

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