Sanaz Sohrabi

Jahr: 2015

Länge: 07:09 Min.

Format: 16:9

Spezifikationen: Farbe, Ton, Einkanalvideo

Courtesy: Die Künstlerin

 

In dem Film Disposables bemüht sich ein anonymer Erzähler, seine Beobachtungen während eines und nach einem politischen Aufstand zu rekapitulieren. An dem Versuch, die tagebuchartigen Erinnerungsbruchstücke zu verarbeiten und schriftlich zu dokumentieren, scheitert er jedoch. Zu den dystopischen Schilderungen der Stimme aus dem Off sind vierzehn in gesetzten Farben gekleidete Performer*innen in einem hellen, weißen Raum zu sehen. Die Personen illustrieren jedoch weniger das Gesprochene, sondern stellen vielmehr durch stark verlangsamte Körperbewegungen assoziative Verbindungen zu den gesprochenen Worten her. Scheinen sie anfangs im Moment des Fallens eingefroren mit ihrem Gleichgewicht zu kämpfen, so wirken sie gegen Ende eher wie standhaft arrangierte Skulpturen. Die konstruierten Körperbilder beziehen sich auf die fiktiven Berichte und agieren nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb der Geschichte.

Sanaz Sohrabi erforscht in ihrem Werk die Rolle der Fotografin oder des Fotografen und den dokumentarischen Charakter von Fotografie im Allgemeinen. Sie untersucht den Entstehungskontext von Motiven, indem sie sich der typischen Gestik von politischen Fotoaufnahmen bedient, die Geschichte hinter dem Foto nachstellt, und neu inszeniert, was unmittelbar davor beziehungsweise danach passiert. Disposables thematisiert aber auch, wie persönliche Erinnerungen vom individuellen ins kollektive Gedächtnis einer Gesellschaft aufgenommen und durch Institutionen nicht nur rezipiert, sondern auch instrumentalisiert werden. Die Arbeit macht auf die Flüchtigkeit von Erlebtem aufmerksam und fordert die Betrachter*innen durch ihren Minimalismus auf, selbst aktiv zu werden. Disposables schafft einen großen Raum zum Nachdenken und Interpretieren und ist eine Aufforderung, sich der eigenen Vorstellungskraft zu bedienen. (Justus Lambrecht)

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