Philip Widmann

Jahr: 2015

Länge: 15:00 Min.

Format: 16:9

Spezifikationen: S/W, Ton, Einkanalvideo

Courtesy: Der Künstler

 

»Imagine two observers: A and B.«

Das Video von Philip Widmann beginnt mit einer Stimme, die uns auf Bengalisch den Titel erklärt. Englische Untertitel übersetzen: Fictitious Force – die Scheinkraft, eine Kraft, die für den einen (A) »so real wie Schwerkraft erscheint und für den anderen (B) nicht wahrnehmbar ist«.

Wir verfolgen unseren Protagonisten, wie er sich vorbereitet. Wir schauen ihm zu, wie er sich auf den Weg macht. Wohin, ist den Betrachtenden noch nicht ganz klar. Die folgende, auf Super-16 dokumentierte Prozession, wirkt auf die Zuschauenden fremdartig und wundersam – Mystik, Spiritualität und Glaube scheinen eine Rolle zu spielen. Stellt die »Kraft« (force) eine spirituelle Kraft dar? Oder ist die Zugkraft der Rotation gemeint? Ist es eine Mutprobe, eine Heiligsprechung, eine Initiation? Was bedeutet es, an »die Spitze« (the top) zu kommen? Die Spitze des Pfahles oder die Spitze der Gesellschaft? Das Geschehen scheint zweideutig und verwirrend, fast ›den Kopf verdrehend‹. Das Schweben über den Menschen, außerhalb von Schwerkraft und Zeit – ein Spiel mit Raum und Dimension und gleichzeitig ein Spiel, eine Festlichkeit für die Beteiligten.

Widmann konzeptioniert das Video wie einen Stummfilm. Es werden malerisch aussehende Szenen in Schwarz-Weiß gezeigt. Trotz vorhandenen Tones bildet die auf Bengalisch stattfindende Konversation der gezeigten Personen lediglich den Hintergrund. Die Zwischentitel geben den gesprochenen Dialog wieder und erklären den Zuschauenden die Handlung, während sie sie zum Nachdenken über Kommunikation und Fremdheit anregen. Zum Schluss werden die Betrachter*innen als Mitspieler*innen miteinbezogen. Die Kamera dreht sich mit und wir erleben so, was der Protagonist vielleicht erlebt hat: ein leichtes Schwindelgefühl im wahren und im übertragenen Sinne. (Tara Soltani)

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