Lisa Domin

Jahr: 2016

Länge: 14:30 Min.

Format: 4:3

Spezifikationen: Farbe, Ton, Performance

Courtesy: Die Künstlerin

 

Der Arabische Frühling in Ägypten fand 2013 in dem Sturz von Präsident Mohammed Mursi einen neuen gewalttätigen Höhepunkt. Zur gleichen Zeit wurde jedoch ein anderes Thema in der internationalen Presse stark diskutiert: Der vermeintliche Selbstmord der Giraffe Roqa im Giza Zoo in Kairo, in dessen unmittelbarer Nähe Proteste stattfanden. Doch wie kam es, dass dem fraglichen Tierselbstmord in einer Zeit politischer Unruhen eine solch hohe Medienpräsenz zukam? Lisa Domin beleuchtet in ihrer Performance, wie der Tod der Giraffe zum Sinnbild der aussichtslosen politischen Lage der Rebellion wurde, die 2010 ebenfalls mit einem Selbstmord begann. Dabei werden Aufnahmen des Giza Zoos auf eine Leinwand projiziert. Das Filmmaterial zeigt die bedrückenden Zustände des Zoos: verlassene Gehege, Ruinen und kleinere Tiergruppen in einer kargen Umgebung. Doch erst die Kombination der wechselnden dokumentarischen Filmausschnitte mit der Stimmimprovisation Zofia Bartoszewiczs macht die politische Aussagekraft der Performance deutlich. Sie wechselt passend zu den Aufnahmen zwischen Flüstern, erhobener Stimme und Gesang und illusioniert mittels typischer Laute verschiedene Sprachen. Die Wörter »Depression« und »Giraffe« sind als einzige Begriffe immer klar vernehmbar. Die internationale Beschäftigung mit dem Ereignis und die dargestellte allgegenwärtige Depression lassen sich atmosphärisch nachvollziehen. Mit der musikalischen Einlage von E-Gitarrist Ralf-Tibor Stemmer wird eine angespannte Stimmung erzeugt, der zur Zeit der Rebellion sowohl Mensch als auch Tier ausgesetzt waren. Mit dem geschrienen Refrain »It’s So Sad The Giraffe Is Dead« gibt die Künstlerin der enttäuschten Hoffnung auf politische Veränderung im Nachhinein eine Stimme, die im Gedächtnis nachhallen darf. (Annika Artmann)

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