Susanne Wiegner

Jahr: 2015

Länge: 07:07 Min.

Format: 16:9

Spezifikationen: Farbe, Ton, Einkanalvideo

Courtesy: Die Künstlerin

 

Der 3D-Computeranimationsfilm Future in the Past von Susanne Wiegner nimmt die Zuschauer*innen mit auf eine Reise durch virtuelle Räume, in denen ihnen vertraute Gegenstände und Orte dekontextualisiert und entfremdet wiederbegegnen. Schiffe befahren ein zweidimensionales Meer und fallen über den Rand, leere Züge ziehen an im Wasser stehenden Strommasten vorbei, Reihenhäuser sind wie Exponate auf Gerüsten entlang der Gleise aufgestellt, unzugänglich und zweckentfremdet. Jeder Raum, so offenbart sich durch die immer weiter hinauszoomende Kamera, ist nur ein kleiner Teil einer größeren Szenerie. Die gezeigten Zimmer entpuppen sich als offene, guckkastenartige Installationen, die in immer neue, umfassendere Räume übergehen, in denen sich die vorab gesehenen Motive und Objekte wiederholen. Am Ende kehrt man in das Badezimmer zurück, in dem das Video auch begonnen hat.

Die visuelle Umsetzung des Filmes durch Computergrafik erinnert in ihrer Nüchternheit, kühlen Leere und klaren Linienziehung an Gemälde von Edward Hopper. Der Film verweigert sich einer einfachen Deutung. Möglicherweise symbolisiert die Verschachtelung der Räume die Überlagerung verschiedener Bewusstseinsebenen und Gedankeninhalte und versucht bildlich aufzuarbeiten, wie sich Bewusstsein und Unbewusstes gegenseitig durchdringen und prägen. Die Räume erinnern in ihrer Surrealität an die Inkohärenz von Träumen, in denen die rationale Ordnung auf den Kopf gestellt ist und Gedanken und Ideen aus ihrem Zusammenhang gerissen und als Symbole in eine Welt des Unterbewussten eingeflochten werden, die sich im wachen Zustand nicht leicht entschlüsseln lässt. Wiegners Arbeit zeigt damit eindrücklich, wie Standpunkte, derer man sich sicher wähnte, durch die kontinuierlichen Offenbarungen eines größeren Kontexts immer wieder in Frage gestellt werden können. (Tamara Plempe)

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