Felix Zilles-Perels

Jahr: 2016

Länge: 04:36 Min.

Format: 16:9

Spezifikation: Farbe, Ton, Einkanalvideo

Courtesy: Der Künstler

 

Entrückt starrt er auf seine zitternde Hand. Dann ist der Kurzfilm ebenso unvermittelt vorbei wie er begonnen hat.

Felix Zilles-Perels‘ Werk Jeden Tag zeigt den Betrachtenden einen Schnittpunkt zweier für gewöhnlich koexistierender Welten. Einerseits die Schlichtheit des bürgerlichen Wohnzimmers, in dem wir uns befinden. Andererseits sehen wir den Glamour der Bühne auf die Willi Geloneck – ehemaliger Tänzer und Betreiber einer Travestie-Show – uns gedanklich entführt. Er ist Protagonist beider Welten. Das Setting des Films erinnert an eine Interviewsituation. Was als Konversation gedacht war, entwickelt sich zunehmend zu einer Performance seiner Erinnerung. Nostalgie überkommt Geloneck. Das dazu eingespielte Lied gibt die Dramaturgie seiner Darstellung vor. So verlaufen beide in einem rauschenden Crescendo, das so gar nicht zu dem biederen Wohnzimmer passen möchte. Ein intimer Einblick in eine vergangene Zeit wird gewährt. Geloneck durchlebt die Performance des Travestiekünstlers Georg Preuße alias Mary und scheint sich in ihr, wie auch im Liedtext, gleichermaßen wiederzufinden. Er gestikuliert energisch, wirft einen imaginären Hocker, malt in die Luft. Dient sein Gesprächspartner anfangs noch als Anker zum Hier und Jetzt, so wird schnell klar, dass der Urgewalt seiner Erinnerung niemand standhalten kann. Der Liedtitel »Der alternde Star« spielt auf den körperlichen Verfall an, den das Alter mit sich bringt, aber was den Zuschauenden in dieser Arbeit präsentiert wird, ist ein Jungbrunnen jenseits konventioneller Vorstellungen. Verblichene Farbe holt ein Lippenstift zurück auf den Mund, eine Federboa kaschiert den faltigen Hals. Du kannst alles verkörpern, alles sein – auch wieder jung. Eine Hommage an die Travestie, in dem das Altern nicht dem Dasein als Star widerspricht. (Marie Hunanyan)

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