Stefan Panhans

Jahr: 2016

Länge: 16:13 Min.

Format: 16:9

Spezifikationen: 4K, Farbe, Ton, Einkanalvideo

Courtesy: Der Künstler

Gefördert vom Medienboard Berlin-Brandenburg

 

Stefan Panhans’ Freeroam À Rebours, Mod#I.1 nimmt Formen des Ungenügens im Verhalten menschengesteuerter Avatare in Computerspielen zu seinem Ausgangspunkt. Diese ›Fehlerszenarien‹ werden rückübersetzt in die realen Körper seiner Performer*innen und mit filmischen Mitteln reinszeniert. Übersprungshandlungen, Leerlaufmodi, scheiternde Wiederholungen von Handlungsversuchen, die unperfekte Menschenähnlichkeit von Bewegungen und Gesten und weiteres ›Fehlverhalten‹ von Avataren im Spiel werden innerhalb einer durch Funktionalisierungs-, Ökonomisierungs- und (Selbst-)Optimierungsansprüche geprägten Gesellschaft üblicherweise eher als ineffizientes Unvermögen verstanden. An der Schnittstelle zwischen experimentellem Film, Videoclip, Performance und zeitgenössischen Tanzformen arbeitet Panhans’ Film aber genau mit solchen ›Fehlern‹. Er zeigt Tänzer*innen und Schauspieler*innen, welche Fehler in den algorithmischen Bewegungsmustern von Avataren, die durch gelegentliche Unsicherheit und Unkonzentriertheit der die Avatare steuernden realen Personen vor ihren Bildschirmen ausgelösten wurden, analysiert und einstudiert haben. Diese ›führen‹ sie an Inszenierungsorten und in Szenographien ›wieder auf‹, die Computerspielen entlehnt sind und Sequenzen dieser Spiele integrieren. Durch die Kameratechnik, deren Bewegungsparadigmen sich ebenfalls an die der ›Kamera‹ in Computerspielen anlehnen, interagieren dabei die Performer*innen mit der Umgebung und mit den in die Choreographie eingefügten Bewegungen der Kameraleute. Die digital eigens für den Film komponierte elektronische Musik, die ebenso Ähnlichkeiten zu Videospielsoundtracks aufweist, rhythmisiert zusammen mit der speziellen Montage-Schnittechnik diese einnehmende Choreographie des Unvermögens. Panhans’ Film äußert damit für die momentane Situation unserer Gesellschaftsverfasstheit eine künstlerische Form eines performativen Widerstands ›à rebours‹, gegen den angestrebten Funktionalismus.  (Anne Greb)

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