Anita Delaney

Jahr: 2016

Länge: 10:27 Min.

Format: 16:9

Spezifikationen: Farbe, Ton, Einkanalvideo

Courtesy: Die Künstlerin

 

Eine Zeitung bedeckt das komplette Bild, bevor die Kamera weiter aus dem Bild heraus zoomt und man die Frau dahinter erkennt. Sie faltet die Zeitung zusammen, wendet sich der Kamera zu und beginnt, die Betrachter*innen direkt anzusprechen. Die Schauspielerin wandert durch einen schlicht eingerichteten Raum, um vor einem Objekt, einem Bild oder einem Arrangement von Objekten stehen zu bleiben. In sorgfältig hergerichteter Mise en Scène sagt sie dann in einer leicht provozierenden Art den Zuschauenden ihre Ausführungen unter anderem zu Finger- und Zehennägeln, Muffins oder Körperproportionen auf. Die Objekte, vor denen die Schauspielerin zum Stehen kommt, haben oftmals einen assoziativen Bezug zum Gesagten. In einem Teil des Raumes stehen große, auf Leinwand gedruckte Fotos mit Landschaftsmotiven. In diesem Szenario beginnt die Frau, ständig gefolgt von der Kamera, davon zu sprechen, dass wir, die Zuschauenden, zwar noch nie in China waren oder auch nie sein werden, doch unsere Finger- oder Fußnägel schon längst da gewesen sind. Denn diese würden von Vögeln versehentlich gegessen, nach China transportiert und dort wieder ausgeschieden. Durch ihre Gestik und Mimik und die Art und Weise, wie sie sich präsentiert, lassen sich Gemeinsamkeiten zu einer Nachrichtensendung oder Verkaufsshow finden. Die Schauspielerin, die ihre Texte sicher und selbstbewusst vorträgt, stellt dabei Statistiken, Fakten, fragwürdige Behauptungen und ihre subjektive Meinung undifferenziert nebeneinander und vermittelt diese fast ausnahmslos im gleichen Sprachduktus. Der Kurzfilm The Cusp of Your Credenza erörtert so das Verhältnis des menschlichen Körpers zu den ihn umgebenden Objekten. (Randi Terjung)

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